Sonntag, 2. Mai 2010

Das Wesen des Biokäufers

Über die Xing-Gruppe Nachhaltige Werbung bin ich auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung gestoßen, der über eine Studie der Universität Toronto berichtet, die sich mit dem Verhalten von »Biokäufern« beschäftigt (Artikel).

»Kernaussage der Studie ist, dass Probanden, die Bio-Produkte gekauft haben, Mitmenschen anschließend schlechter behandeln, als Kunden konventioneller Lebensmittel. Gerade im Hinblick auf die Thematik der Macht des Verbauchers ein sicherlich nicht uninteressantes Ergebnis.« (Info von Michael Herrmann, der den Artikel dort im Forum eingestellt hat.)

Mein Beitrag dazu (direkt im Thread) und hier, für Nicht-Xinger:
Es gibt ja verschiedenste »Arten« von Bio-Käufern, sicher auch solche, die sich ähnlich wie in der Studie verhalten.

Was ich mich frage ist, was machten wir jetzt mit der Beobachtung aus der Studie?

Der Artikel scheint mir so geschrieben zu sein, dass man die »Bio-Gutmenschen« kritisch ins Auge fassen soll und ihnen gegenüber misstrauisch sein muss. Ist das so?

Was ist mit denen die »ganzheitlich« dabei sind, also nicht nur als Alibi Bio kaufen? Die müssen sich doch von sowas pauschalverurteilt fühlen, oder? (So ähnlich wie Hartz 4 Empfänger, die wegen weniger schwarzer Schafe als »arbeitsunwillige Schmarotzer« abgestempelt werden.) Wie reagieren die?

Und was ist mit denen, die es gerne täten (Bio kaufen), aber dazu nicht die Mittel haben? Werden diese Menschen durch solche »Studien«/Artikel nicht von ihrem Wunschweg (»irgendwann mal Bio kaufen zu können«) weggeführt, weil sie dann auch zu den Alibi-Leuten gerechnet werden könnten? Sie werden in ihrem Bestreben, sich und der Umwelt etwas Gutes tun zu wollen, nicht ernst genommen. Ihnen werden sogar »niedere Beweggründe« untergeschoben. Sagt man sich da nicht vielleicht, nee, dann lasse ich das lieber?

Wer hat denn die Studie in Auftrag gegeben?

Mit welcher Haltung wurde sie erstellt?

Was sollte mit der Studie »bewiesen« werden?

Hier gibts die Studie übrigens als PDF http://tinyurl.com/24qtayo
Darin steht unter anderem dieser Satz »green products do not necessarily make us better people.«.
Wer hat denn festgelegt, dass alle Bio-Käufer »bessere« Menschen sind? Was heißt denn »besser« überhaupt? Wer urteilt da? Wie verhält der Urteilende sich selbst?

Sind 59 Studenten (27 m | 32 w) in Experiment* (!) 1 von der Universität Toronto »repräsentative Bio-Einkäufer«?
Sind 156 Studenten (61 m | 95 w) in Experiment* (!) 2 von der Universität Toronto »repräsentative Bio-Einkäufer«?
Sind 90 »undergraduated« Studenten (34 m | 56 w) in Experiment* (!) 3 von der Universität Toronto »repräsentative Bio-Einkäufer«?

Mal abgesehen, dass Studenten sich meistens keine Bio-Produkte leisten können, Toronto ist nicht die Welt, die Verhältnismäßigkeiten zwischen den Geschlechtern in den drei Experimenten sind nicht gleich … was haben die da getrieben? – Ich bin kein Wissenschaftler, aber sowas kann ich in keinem Fall ernst nehmen. Es zeigt wieder: »Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.«

Ich finde es gut und erstrebenswert, dass »Bio« und »Nachhaltigkeit« zu einem Boom und zu »neuen Werten« geworden sind – wobei die Werte eher »alt« sind (siehe Naturvölker, die im Einklang mit ihrer Umwelt leben, so lange sich kein »zivilisierter« Mensch einmischt).

Ich finde schlecht, dass das jetzt wieder finanziell »ausgeschlachtet« wird, man den sog. »LOHAS« viel Geld aus den Taschen zieht und denen, die es sich nicht leisten können, diesen »Mangel« unter die Nase reibt. Klar kann man so »Begehrlichkeiten« wecken und Gefühle wie »Neid« erzeugen.
Aber wozu? Das bringt uns doch alles nicht weiter.

In einem sehr spannenden Gespräch bei »Sternstunde Philosophie« mit Quantenphysiker* Hans-Peter Dürr wird ein »neues« (eigentlich auch »altes«) Menschenbild gemalt, hier der Link zu meinem Post dazu http://tinyurl.com/2uyhr9a


*Der Beobachter eines Experiments verändert dessen Ablauf (s. dazu eine einfache Video-Erklärung des in der Quantenphysik bekannten Doppelspalt-Experiments http://tinyurl.com/35nhjk9)

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